Ein Zettel in Bärenpfoten: Von Bregenz aus zu einer Bodensee-Stelle, die näher war als gedacht

von Lukas Gruber

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An einem warmen Samstagnachmittag im Spätsommer haben sich fünf Freunde in Bregenz am Hafen getroffen: Lena, Max, Paul, Karo und Hannes. Der Bodensee lag spiegelglatt da, als würd er extra für sie heute geschniegelt und geschniegelt sein.

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„So, Leitln“, grinste Max und klopfte auf die Reling, „des is jetzt offiziell unser Kapitänstag. I sag’s glei: i bin für’s gemütliche Dahingleiten.“

„Gemütlich, ja“, meinte Karo und steckte sich die Sonnenbrille auf, „aber i will a bissl Abenteuer. Halt… so ein kleines, g’schmackiges.“

Paul lachte. „Karo, du brauchst scho Abenteuer, wenn du an fremden Liegestuhl siehst.“

Lena nahm den Schlüsselbund hoch. „Bevor ihr euch streitet: Wer kann überhaupt des Boot starten?“

„I kann alles“, sagte Hannes mit völlig ernster Miene.

„Aha“, Lena zog eine Augenbraue hoch, „und was genau?“

„Alles… außer vielleicht die Bedienungsanleitung lesen.“

Alle prusteten los, und genau so ging’s los: entspannt, herzlich, mit diesem Bodensee-Urlaubsgefühl, das sogar einen normalen Tag nach Postkarte ausschauen lässt.

Die Yacht glitt hinaus, vorbei an den Booten, die wie Spielzeug am Wasser schaukelten. In der Ferne zeichnete sich die Schweizer Seite ab, und irgendwo weiter drüben – Deutschland. Drei Länder rund um ein und denselben See, und fünf Freunde mittendrin.

„Schauts euch des an“, sagte Lena leise. „Des is schon a bissl magisch, oder?“

„Magisch is vor allem“, meinte Max, „dass i heut noch ka Kaffee verschüttet hab.“

Karo deutete nach unten. „Heast, können wir bitte den Trüm anschauen? I wollt immer schon wissen, wie des da drin ausschaut.“

„Trüm?“, Paul tat wichtig. „Des heißt… äh… nautischer Stauraum.“

„Aha“, sagte Hannes. „Und i bin dann der nautische Stauraum-Beauftragte.“

Sie stiegen die kleine Treppe hinab in den Innenraum. Es roch nach Holz, Seeluft und ein bisserl nach altem Segeltuch – so ein Geruch, der sofort Geschichten im Kopf macht.

„Da passt ja überraschend viel rein“, meinte Lena und öffnete eine Klappe.

Max zog eine Taschenlampe heraus. „I leucht. Und wenn i was Gruseliges seh, tu i so, als wär’s nur mein Schatten.“

„Gruselig?“, Karo winkte ab. „Heute is Sonnenschein. Da darf nix Gruseliges passieren.“

Paul kramte in einer Ecke und zog plötzlich etwas hervor. „Oida… schaut’s!“

In seiner Hand war eine alte, weiche Stofffigur – ein Bär, schon ein bissl ausgeblichen, aber noch freundlich. Und tatsächlich: In den kleinen Stoffpfoten steckte ein gefalteter Zettel.

„Des is ja süß“, sagte Lena und strich dem Bären übern Kopf. „Wie lang der wohl da schon liegt?“

Hannes grinste. „Der hat sicher die ganze Zeit auf uns gewartet. Endlich kommen’s, die Auserwählten!“

„Hör auf“, lachte Max. „Gib her den Zettel.“

Paul entfaltete ihn vorsichtig. Drauf standen Zahlen – Koordinaten.

Karo riss die Augen auf. „Na servas. Des is ja wie in so einem Sommerfilm!“

Lena beugte sich näher. „Wart… das sind echt GPS-Koordinaten.“

Max klopfte auf sein Handy. „I hab a Navi-App. Gib her.“

Paul las vor, Ziffer für Ziffer. Max tippte sie ein, konzentriert, als wär er gerade beim Entschärfen von irgendwas, nur halt ohne Drama.

„Und?“, fragte Hannes.

Max schaute auf den Bildschirm – und grinste breit. „Leitln… des is ja direkt da! Also… wirklich da. Auf’m See. Ganz in der Nähe von uns.“

Karo schnappte nach Luft. „Na bitte! Dann fahren wir hin!“

Lena schüttelte lachend den Kopf. „Nur kurz. Rein aus Interesse. Und wenn’s nur a besonders schöner Platz is.“

Paul hob den Bären hoch. „Der Kapitän sagt: Auf geht’s.“

„Der Kapitän is ein Stoffbär“, murmelte Max. „I leb mein bestes Leben.“

Wieder oben an Deck nahm Lena das Steuer, während Hannes den Kurs ansagte, als würd er’s seit Jahren machen.

„A bisserl nach rechts“, sagte er feierlich.

„Wie viel is ‘a bisserl’?“, fragte Lena.

„Genau… so viel, dass es passt.“

Max grinste. „Perfekte Ansage. Des könnt direkt aus’m österreichischen Seefahrtsgesetz sein.“

Sie glitten über das Wasser, und tatsächlich war die markierte Stelle schnell erreicht. Auf dem Display blinkte die Punktmarkierung – und gleich daneben zeichnete sich am Ufer etwas ab: eine kleine, alte Hütte, fast versteckt zwischen Bäumen.

Karo zeigte drauf. „Da! Seht’s? Des muss die Hütte sein!“

Paul lehnte sich über die Reling. „Schaut ur gemütlich aus. Vielleicht wohnt da ein Fischer. Oder… nur ein Haufen Picknickkörbe.“

„Oder wir finden drinnen a Kiste mit…“, Hannes setzte eine dramatische Pause, „…a richtig guten Jause.“

„Des wär das beste Abenteuer“, lachte Lena. „Okay, wir fahren näher ran – aber langsam.“

Die Yacht näherte sich dem Ufer, das Wasser wurde seichter. Alle standen gespannt da, als wär gleich die große Enthüllung.

„I sag’s euch“, flüsterte Max, „wenn da jetzt nur a Schild steht ‘Willkommen’, dann war’s trotzdem cool.“

„Pssst“, machte Karo. „Ned spoilern.“

Und dann— ruck.

Ein deutlicher, aber kurzer Stoß ging durchs Boot. Nix Wildes, eher wie wenn man mit dem Fuß gegen einen Teppichrand stößt.

„Hoppla!“, rief Lena und nahm sofort Gas raus.

Paul schaute verwundert. „Was war des denn?“

Hannes deutete nach unten. „I glaub… wir sitzen.“

Max lachte. „Wir sitzen? Auf was?“

Lena kontrollierte ruhig, ohne jede Hektik. „Wir sind auf a Sandbank oder auf den Grund. Alles halb so schlimm. Des passiert schneller, als man glaubt.“

Karo hielt sich am Geländer fest und kicherte. „Also… unser Abenteuer is: Wir haben eine Koordinate gefunden und sind sofort steckenblieben?“

„A echte Punktlandung“, sagte Max trocken. „Nur halt im Wasser.“

Paul hob die Hände. „Leitln, bitte… i will, dass des später in die Freundesgruppe als ‘strategischer Zwischenstopp’ eingeht.“

Lena lachte, legte den Rückwärtsgang ein und gab ganz sanft Schub. Die Yacht ruckelte kurz, dann löste sie sich wieder und glitt zurück in tieferes Wasser, als hätt sie nur kurz „Hallo“ zum Ufer sagen wollen.

„Und weg sind wir“, meinte Lena zufrieden. „Siehst? Alles gut.“

Hannes klatschte in die Hände. „Des war Absicht. I wollt nur testen, ob die Yacht eh brav reagiert.“

Karo zeigte auf ihn. „Aha! Und i bin die Kaiserin vom Bodensee.“

Max grinste. „Na, Kaiserin, wie geht’s weiter? Hütte entern oder gemütlich weiter cruisen?“

Paul schaute nochmal zum Ufer. „I find, wir lassen die Hütte heut einfach Hütte sein. Koordinaten-Abenteuer erledigt.“

Lena nickte. „Gute Idee. Wir haben’s gefunden, wir haben g’lacht, und wir sind trocken geblieben. Perfekter Deal.“

Karo nahm den Stoffbären und setzte ihn auf die Bank an Deck, als würd er mitfahren. „Dann fährt der Kapitän jetzt weiter. Nächste Station: Sonne, Wasser und a bissl Musik.“

Hannes setzte sich daneben. „Kapitän Bär, Kurs auf Entspannung!“

Max hob sein Getränk. „Auf den Bodensee, auf Freundschaft – und auf seichte Stellen, die uns nur kurz grüßen.“

„Prost!“, riefen sie alle.

Die Yacht zog wieder ruhig ihre Bahn über den glitzernden See. Die Koordinaten waren zwar eine kleine Überraschung gewesen, aber am Ende war’s genau das, was sie wollten: ein Tag, der nach Sommer schmeckte – mit einem winzigen Schlenker ins „Was wär wenn“ und ganz viel Lachen im Wind.

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